"die Radeberger" Heimatzeitung - Archiv



Onlineausgabe vom 10. Februar 2011


Legenden der Geschwindigkeit ...


... oder, der richtige Name „Legends of Speed“ ist die erste Mehrtagesrallye in Deutschland ausschließlich für historische Renn-, Rallye- und Sportfahrzeuge. Legenden und PS-starke Boliden holt die Veranstaltung auf die ehrwür-
digen Strecken des Automobillandes Sachsen zurück. Insgesamt 600 km Rallyestrecke mit 17 integrierten Wertungsprüfungen werden vom 19. bis 21. Mai 2011 zwischen Dresden, dem Erzgebirge und der Oberlausitz absol-
viert. Dreh- und Angelpunkt dieser Veranstal-
tung ist dabei die Elbmetropole Dresden.

Die frühen Jahre des Rennsportes in der DDR mit Trabant 500 und 600. Foto: Privat

Rallyeprüfung in Liegau-Augustusbad

Täglich startet und endet die Rallye in der Landes-
hauptstadt und es stehen Tests mit Extrem- und Dauerbelastung genauso auf dem Programm wie Tages und Nachtprüfungen, und – geht es nach dem Willen der Organisatoren – so wird eine der Wer-
tungsprüfungen in Liegau-Augustusbad stattfinden. Der Gedanke, eine Rallyeprüfung in dem Radeberger Ortsteil stattfinden zu lassen, ist dabei gar nicht so ungewöhnlich, denn Liegau schaut durchaus auf eine eigene Rennsportgeschichte zurück. Von 1985 bis 1989 wurden auf der Haupt- und Radeberger Straße hier die legendären Rödertal-Rennen ausge-
fahren.











Ging es anfangs bei den DDR-offenen Flach-
bahnrennen noch um die Ermittlung der Be-
zirksbesten, so wurde später sogar um Punkte zur DDR-Meisterschaft gefahren. Geschwindigkeiten um die 200 km/h waren damals keine Seltenheit und Größen wie Ulli Melkus waren dabei genauso am Start wie Bernd Kasper oder Steffen Nickoleit.

Auf dieser Strecke wurden in Liegau
von 1985 bis 1989 die Rödertalrennen gefahren. Geschwindigkeiten
bis zu 200 km/h bergauf
waren dabei keine Seltenheit.

Jedes der fünf Rennen war dabei ein Höhepunkt für die kleine Ortschaft. Rennfahrer und Tech-
niker waren in Gastfamilien untergebracht, unzählige Helfer sicherten die Rennstrecke und ei-
gentlich war ein ganzes Dorf auf den Beinen, um bei der Realisierung dieser Sportveranstal-
tung zu helfen. Organisator der Rennen war damals der MTC Touring Dresden und federfüh-
rend als Rennleiter Lutz Blütchen. In der damaligen Presse wurde er als „der pfiffige Organisa-
tor des Rödertalrennens“ betitelt und dies durchaus zu Recht.

12 Millionen Ost-Mark für Projekt Rödertalring

Wäre es nach dem Willen von Lutz Blütchen gegangen und hätte die Wende noch ein oder zwei Jahre gewartet, dann wären 12 Millionen Ost-Mark zum Einsatz gekommen und Liegau hätte seinen sogenannten 3800 Meter langen Rödertalring mit Crossareal, Speedwayarena, Cartbahn und Zeltplatz. Möglich wäre dies geworden, weil selbst Militär und ein großer VEB Interesse an dem Ring zeigten. Einerseits als Ausweichstart- und Landebahn, andererseits als Teststrecke. Aber es kam eben alles ganz anders. Für den 25. und 26. August 1990 war es ge-
plant, das 6. Rödertalrennen und es gab noch am 27. Juli 1990 Absprachen zwischen dem MTC Touring Dresden und der Gemeindeverwaltung von Liegau bezüglich der Organisation des Rennens. Doch mit einem Brief vom 25. August kam das Aus für den Motorsport in Liegau.
Auszugsweise hieß es darin:
•        die Rennleitung und die Leitung des Sportfahrerverbandes
        haben sich bisher vergeblich bemüht, die Veranstaltung abzusichern
•        für die Finanzierung des Rennens fehlen ca. 30.000 DM
•        Preise für Dienstleistungen und Materialien sind um wenigstens 100 Prozent gestiegen
•        beim Sportministerium beantragte Unterstützung entfällt
•        von ehemals 200 Helfern haben nur 35 ihre Unterstützung angeboten


So war er geplant, der 3800 Meter lange und 10 Meter breite Rödertalring
mit Crossareal, Speedwayarena, Cartbahn und Zeltplatz.

Das Aus für das Rödertal-Bergrennen und das Projekt Rödertalring war somit besiegelt und sicherlich wird es in Liegau auch keine Motorsportarena mehr geben. Doch auf der Suche nach historischen Rennstrecken sind die Organisatoren der „Legends of Speed“ auf das Rödertal gestoßen. Die Idee: Eine Wertungsprüfung im Rahmen der„Legends of Speed“ in Liegau durchzuführen. Erste Gespräche zwischen dem Ortschaftsrat von Liegau und der Rennleitung hat es bereits gegeben und sollten keine unüberwindbaren Hindernisse auftauchen, dann könnten am 21. Mai die historischen Sportfahrzeuge auf einem Rundkurs durch Liegau fahren. „Es wäre die einzige Rundstrecke vor den Toren Dresdens“, freut sich bereits Marcus Dehmer, 1. Vorsitzender des Motorsport Sachsen Zwickau e.V., welcher unter anderem auch eng mit dem ADAC zusammenarbeitet. Geplant ist die Veranstaltung bzw. die Wertungsprüfung in Liegau für den 21. Mai diesen Jahres und könnte sich im Detail wie folgt gestalten: Rund 70 historische Sportwagen starten im Ortskern von Liegau in Richtung Lotzdorf, dann auf die alte Rennstrecke, weiter in Richtung Forellenschänke und vorbei an der neuen Feuerwehr zurück in den Ortskern. Befahren würde der Rundkurs in den Vormittagsstunden von ca. 08.30 Uhr bis 10.40 Uhr und in den frühen Abendstunden von ca. 18.00 Uhr bis 20.20 Uhr.
Historische Sportfahrzeuge wie diese nehmen wie hier an der Sachsen Classic teil.
Fotos: Motor Presse Stuttgart

„Natürlich wird bei einer Wertungsprüfung auch zügig gefahren, es handelt sich dabei aber nicht um die Jagd nach der tausendstel Sekunde“, stellt Rallyeleiter Kiesling klar, „vielmehr reiht sich die „Legends of Speed“ neben Veranstaltungen wie der „Sachsenclassic“ ein und soll die traumhaften historischen Sportfahrzeuge einem interessierten Publikum präsentieren.“
Positive Erfahrungen mit solchen Sportevents gibt es bereits in anderen Ortschaften, welche durch Veranstaltungen wie die „Sachsenclassic“ zum Beispiel bereichert werden. Erörtert wur-
de in ersten Gesprächen auch bereits die Frage der Sicherheit an der Strecke. „Hier gibt es ganz klare Regeln und Vorschriften, an die wir uns als Organisatoren zu halten haben“, erklärt Rallyeleiter Kiesling, seines Zeichens ehemaliger Werksfahrer bei Sachsenring und ausgezeich-
net zum „Meister des Sports“. So werden zum Beispiel Strecken- und Funkposten verteilt und ein medizinischer Dienst (Rallyearzt) und Feuerwehr sichern die Veranstaltung ab. Der Ort-
schaftsrat von Liegau und auch die Feuerwehr stehen jedenfalls den Plänen und der Veran-
staltung aufgeschlossen gegenüber, so dass es nach Klärung aller Details am 21. Mai 2011 in Liegau vielleicht doch noch einmal heißen könnte: „Gentleman: Starten Sie die Motoren“.
Text: Red.


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