"die Radeberger" Heimatzeitung - Archiv



Onlineausgabe vom 31. Mrz 2011


Wohin mit unseren Schülern?


Eltern aus Radeberg oder dem näheren Umland könnten demnächst eine Überraschung erle-
ben. Ihre Sprösslinge haben die Grundschule fast hinter sich, die Bildungsempfehlung in der Tasche und sollen nun die Mittelschule besuchen. Auch die Anmeldung zum Tag der offenen Tür an den beiden Radeberger Mittelschulen verlief korrekt. Doch dann die Information: Die Schule ist voll und das eigene Kind kann in Radeberg nicht beschult werden. Sarkastisch be-
trachtet ist das gar nicht so schlimm. Denn wir haben in Deutschland ja die Schulpflicht und Sohn oder Tochter können ja die 20 Kilometer entfernte Mittelschule besuchen, um 03.15 Uhr aufstehen, um rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn anwesend zu sein und im Nachtzug, im Schlafwagen auf dem Heimweg, die Hausaufgaben erledigen. Sicherlich, ein übertriebenes Szenario. Doch Tatsache ist, dass die Kinder bei einer Beschulung außerhalb von Radeberg Schulwege haben, die an der Grenze des Zumutbaren liegen und diese zudem auch noch aus ihrem bekannten und sozialen Umfeld herausgerissen werden. Also stellt sich die Frage: Wer hat hier nicht aufgepasst? Denn Geburtenzahlen sowie schwache und starke Jahrgänge sind bekannt, so dass man meinen müsste, all diese Informationen fließen in die Schulnetzplanung mit ein bzw. werden von den Schulträgern mit berücksichtigt. In diesem Fall also die Stadt Ra-
deberg. Und tatsächlich gibt es Stimmen, die der Meinung sind, Radeberg bzw. die Verwaltung hat hier nicht rechtzeitig reagiert.

Radeberg hat reagiert


Doch Vorsicht, an dieser Stelle gilt es die Tatsachen etwas genauer zu betrachten. Denn Rade-
berg investiert durchaus in seine Schulstandorte und auch Oberbürgermeister Gerhard Lemm hat sich eindeutig zu seinen Schulen bekannt. An der Ludwig-Richter Mittelschule entsteht in diesem Jahr noch ein Erweiterungsbau mit 6 Unterrichtsräumen, 3 Gruppen- und einem Werk-
stattraum. Und wären die Fördermittel vom Land nicht gestrichen worden, wäre man mit der Investition sicherlich schon weiter. Letztendlich haben sich die Stadtväter, trotz wegfallender Schlüsselzuweisungen und gestrichener Fördermittel, dazu entschieden, den Erweiterungsbau aus der Stadtkasse zu bezahlen. Eine Investition in Millionenhöhe. Und auch der notwendige Neubau der Turnhalle Grundschule Stadtmitte wird aus Eigenmitteln der Stadt Radeberg finanziert. Ein Vorwurf in Richtung Stadtverwaltung ist somit nur schwer zu untermauern.
Platz für 320 Schülerinnen und Schüler zum Mittagessen?

Die derzeitige Situation


Momentan gestaltet sich die Situation so, dass die Ludwig-Richter Schule (zweizügig) mit
56 Anmeldungen an ihren räumlichen Grenzen operiert und die Pestalozzischule, ebenfalls
als zweizügige Mittelschule zugelassen, bereits im laufenden Schuljahr in den Klassenstufen 5 und 7 je 3 Klassen hat. Für das kommende Schuljahr ist mit 76 Anmeldungen wieder eine kom-
plette fünfte Klasse zu viel. Doch wo liegt der Grund? Schaut man ein paar Jahre zurück, so stellt man fest, dass mit der Begründung geburtenschwacher Jahrgänge im Umfeld Schulen ge-
schlossen wurden, siehe Arnsdorf oder Wachau. Und auch die Hinweise aus den Schulen im Jahr 2009, dass spätestens ab dem Jahr 2011 mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen ist und die vorgehaltenen Kapazitäten dann nicht mehr ausreichen, stießen im Schulamt wohl auf wenig Gehör. Die jetzige Situation verschärfend kommt hinzu, dass die Zugangsbedingungen auf die Gymnasien erschwert wurden und somit ein zusätzlicher Schülerstrom in Richtung Mit-
telschule entsteht. Nimmt man diese Fakten, dann stellt sich die Frage, warum Schulen erst geschlossen werden, wenn im Nachhinein ein Defizit festgestellt werden muss.
Eine Frage, die man durchaus auch in Richtung Schulamt, Landkreis und Freistaat stellen soll-
te. Denn es ist fraglich, ob die Stadt Radeberg, nachdem sie den Erweiterungsbau der Ludwig-Richter-Schule aus der eigenen Tasche gestemmt hat, in den nächsten Jahren die finanziellen Mittel für eine Erweiterung der Pestalozzischule aufbringen könnte! Auch an dieser Stelle wären Vorschläge aus Richtung Schulamt, Landkreis und Freistaat sehr erfreulich. Denn eins ist sicher. Die Konsequenzen einer Schulnetzplanung, egal ob positiv oder negativ, müssen immer die Kinder, Eltern und Lehrer tragen.

Bezug nehmend auf die Problematik der Schülerzahlen in den Radeberger Mittelschulen haben wir den sächsischen Ministerpräsidenten Herrn Stanislaw Tillich gebeten, uns ein kurzes Statement zu diesem Thema zu geben. Folgendes war aus der sächsischen Staatskanzlei im Namen von Ministerpräsident Tillich zu erfahren:
„Schüler und Eltern in Radeberg müssen sich keine Sorgen machen:
Auch bei einer geänderten Bildungsempfehlung wird es eine ausreichende Zahl
an Plätzen für alle Schüler geben - und zwar in zumutbarer Entfernung.“

Sicherlich ist es auch so, dass in Zeiten knapper Kassen nicht nur Städte und Gemeinden, sondern auch der Freistaat sparen muss. Doch an der Bildung unserer Kinder zu sparen, heißt auch an der Zukunft und der Wettbewerbsfähigkeit Sachsens zu sparen. Denn es ist die Aufgabe der Schulen, ihre Schülerinnen und Schüler auf die Berufs- und Arbeitswelt und den Besuch weiterführender Bildungseinrichtungen vorzubereiten. Vor dem Hintergrund, dass bereits zum jetzigen Zeitpunkt ein Fachkräftemangel droht, ist es nur allzu nachvollziehbar, dass wir Mittelschulen benötigen, in welchen motivierte Schüler und Lehrer unter optimalen Bedingungen lernen und studieren können.
Text und Fotos: Red.


  Copyright © 2006 - 2018 Impressum & Datenschutzerklärung webdestination cms
Anzeigen
Zur Seite: http://www.bierstadt-radeberg.de/_/shop/shop/index.php?rz=1